August 25th, 2014

Volksgut (не народное имение!)

Mit dem Begriff Volksgut bezeichnet man alle immateriellen Güter, die in breite Schichten der Bevölkerung eingedrungen sind, von ihnen bewusst oder unbewusst in Besitz genommen wurden und deren Verfasser oder Urheber unbekannt sind oder nicht mehr ermittelt werden können.
Der Begriff wird meist auf immaterielle Güter wie Lieder, Gedichte, Sprichwörter, Lebensweisheiten, Aussagen und Kunstgegenstände eingeschränkt. (Wikipedia)

Schuberts Lindenbaum

Wir alle wissen, daß das herrliche Lied im Volks- und Kindermunde etwas anders lautet, denn als Kunstgesang. Dort wird es meist, vereinfacht, nach der Hauptmelodie strophisch durchgesungen, während diese populäre Linie im Original schon bei der zweiten der achtzeiligen Strophen in Moll variiert, um beim fünften Vers, überaus schön, wieder in Dur einzulenken, bei den darauf folgenden »kalten Winden« aber und dem vom Kopfe fliegenden Hute dramatisch aufgelöst wird und sich erst bei den letzten vier Versen der dritten Strophe wiederfindet, die wiederholt werden, damit die Weise sich aussingen könne. Die eigentlich bezwingende Wendung der Melodie erscheint dreimal und zwar in ihrer modulierenden zweiten Hälfte, das drittemal also bei der Reprise der letzten Halbstrophe »Nun bin ich manche Stunde«. Diese zauberhafte Wendung, der wir mit Worten nicht zu nahe treten mögen, liegt auf den Satzfragmenten »So manches liebe Wort«, »Als riefen sie mir zu«, »Entfernt von jenem Ort«, und die helle und warme, atemkluge und zu einem maßvollen Schluchzen geneigte Stimme des Tenoristen sang sie jedesmal mit so viel intelligentem Gefühl für ihre Schönheit, daß sie dem Zuhörer auf ungeahnte Weise ans Herz griff, zumal der Künstler seine Wirkung durch außerordentlich innige Kopftöne bei den Zeilen »Zu ihm mich immerfort«, »Hier findst du deine Ruh« zu steigern wußte. Beim wiederholten letzten Verse aber, diesem »Du fändest Ruhe dort!« sang er das »fändest« das erstemal aus voller, sehnsüchtiger Brust und erst das zweitemal wieder als zartestes Flageolett.

Nordische Kühle

Nordische Kühle umgab sie, eine gläsern-keusche, kindlich-jungfräuliche Atmosphäre, durchaus liebenswert, wie der volle und reine Kinderblick ihrer Blauaugen und wie ihre Sprache, die spitz, hoch und fein war, ein leicht gebrochenes Deutsch mit kleinen typischen Lautfehlern, wie »Fleich« statt »Fleisch«.